Harald Lesch über unser absurdes Bildungssystem

Heute bin ich über einen interessanten Videoausschnitt gestolpert, in dem sich Prof. Dr. Harald Lesch trefflich mit unserem vermurksten Bildungssystem auseinander setzt. Das Video war ein 5 minütiger Auszug aus einer Interview-Reihe mit dem Titel Die Welt in 100 Jahren. Der deutsche Astrophysiker, Naturphilosoph, Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator beklagt in dem Interview ab der dreiundzwanzigsten Minute die große Schul- und Bildungsmisere in Deutschland.

Der Professor bringt das heutige Dilemma mit klaren Worten auf den Punkt. Fächer wie Kunst, Musik und Sport würden im heutigen deutschen Bildungssystem eher vernachlässigt bzw. falsch angegangen. Dabei wären bei entsprechender Umsetzung genau diese Fächer die Grundlagen für Intelligenz und Kreativität. Auch schön, der Klassiker – die Perversion der Mathematik.

Wir unterrichten Mathematik viel zu abstrakt. Wir unterrichten Mathe nicht als praktisches Fach. Die Kinder sollten mit Menschen und Umgebungen zusammen kommen, wo Mathematik praktisch gelebt wird. Grundrechenarten, Dreisatz, Prozentrechnung, Flächenberechnung. Ganz einfache Dinge, die tagtäglich gebraucht werden. Wir brauchen keine abstrakten Mengen, keine Algebra, die nie einem Menschen später im Alltag wieder begegnen.

Vergleichbares gilt übrigens auch für unsere Naturwissenschaften. Hier geht es um Beobachtungen. Hier geht es um die Realität. Theorie ist da nur ein Mittel zum Zweck. Und es geht hier um mehr. Es geht nicht um einzelne Fächer, es geht um die Vereinigung der zugrunde liegenden Ideen zu einer Wissenschaft von der Natur. Wenn wir das schaffen, dann sind wir zukunftsfähig. Wenn wir aber weiter brav das alte System fördern, dann wird’s in Zukunft eng.

3 Gedanken zu „Harald Lesch über unser absurdes Bildungssystem“

  1. Da hat Harald Lesch es auf den Punkt gebracht. Schule, Ausbildubg und Studium muss anders funktionieren. Diese verdeutlichung unsers Bildungssystem muss aber auch die Politik erreichen, sonst sind solche forderungen leider, leider umsonst.

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  2. Es liegt an den Lehrern, die den Unterricht nicht lebensnah gestalten. Meinem Sohn, 9. Klasse Gymnasium, sage ich immer wieder, dass die Grundrechenarten, Dreisatz, Prozent- und Flächenberechnung gelernt werden müssen. Das gehört zum täglichen Leben. Alles übrige ist nur unsinniger Ballast. Ich bin Kaufmann und stehe im täglichen Leben.

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  3. Die Auffassung “Grundrechenarten, Dreisatz, Prozentrechnung, Flächenberechnung. Ganz einfache Dinge, die tagtäglich gebraucht werden. Wir brauchen keine abstrakten Mengen, keine Algebra, die nie einem Menschen später im Alltag wieder begegnen”. begründet die Behauptung: “Mathematikunterricht ist nach der 7. Klasse überflüssig.” Sie entspringt der hier immer wieder aufscheinenden Forderung nach Anwendbarkeit. Mit dieser Forderung wird aber der Sinn von Mathematikunterricht sehr verkürzt.

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